Farbige Zaunbegleiter In unserer heutigen Welt wird wenig dem Zufall überlassen: Wälder werden intensiv genutzt, Freiflächen betoniert, Wildkräuter gespritzt und Nutzpflanzen gedüngt. Überall greift der Ordnungssinn der Menschen ein und wildwachsende Natur wird sogar als bedrohlich empfunden. Da bietet sich doch der eigene Garten an, um der Natur mehr Raum zu geben. Durch den Verzicht auf künstliche Dünger, Herbizide und gefüllte und damit sterile Blüten ist der erste Schritt zu mehr natürlicher Vielfalt getan, da bei mageren Bodenverhältnissen mehr Pflanzenarten miteinander koexistieren können.

Heidennelkenrasen Es geht also mehr darum, etwas nicht zu tun anstatt mit hohem Zeit- und Energieaufwand etwas bewirken zu wollen. Das ist aber keine Faulheit, denn es bedeutet eine bewußte Veränderung des eigenen Denkens und Verhaltens, um zur richtigen Zeit nur das Nötige zu tun. Ständiges Beobachten und darauf basierendes lenkendes Eingreifen führt zum individuellen Erfolg. Dann ist auch immer öfters Zurücklehnen und Genießen angesagt, denn standortgerechte Wildpflanzen brauchen wenig Pflege.

In einem Hausgarten ist auch kein umfangreicher Maschinen- und Resourceneinsatz erforderlich. Insbesondere bei Umgestaltungen können vorhandene, die Vielfalt unterdrückende Wurzelunkräuter wie Giersch duch lichtabdeckende Geovliese innerhalb eines Jahres nachhaltig beseitigt und danach angesät werden, eine Dokumentation dazu folgt nächstes Jahr auf dieser Webseite. So bleibt der gewachsene Boden erhalten und mit Wurzelsperren nachhaltig von natürlichen Gierschvokommen unter Sträuchern und Bäumen abgetrennt, was neben der floristischen auch noch für viele Tiere wichtige strukturelle Vielfalt bringt. Zur nachhaltigen Sicherung dieser sind natürlich weiterhin minimale Pflegemaßnahmen erforderlich, die sich aber auf rechzeitiges Jäten beschränkt, was eher noch die Gesundheit fördert als sie schädigt.

Standortgemäße Ausbreitung Blutweiderich Für Vielfalt im Garten gibt es kein detailliertes Patentrezept, nur die beschriebene grundsätzliche Vorgehensweise. Wir haben es mit dem komplexen Wirkungsgefüge in der Ökologie zu tun, aber das ortsspezifische Ergebnis wird uns schon zeigen, in welche Richtung es weiter gehen soll. So ist es zwar von elementarer Bedeutung, ob wir es mit einem sandigen oder lehmigen Boden zu tun haben, aber die sich auf nicht bewachsenen Bereichen spontan entwickelnden Wildkräuter zeigen durch Blütenreichtum an, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Besonders stark wuchernde Pflanzen können einfach ausgezupft oder gemäht werden, wodurch wieder Raum für konkurrenzschwache Arten entsteht und Nährstoffe entzogen werden.

Kronen-Lichtnelke bunte Tupfer Nur falls überhaupt keine Pflanzen im Boden als Samen überdauert haben und sich in der Nähe keine natürlichen Vorkommen mehr befinden, kann mit regionalen standortgerechten Wildsamenmischungen oder Pflanzungen nachgeholfen werden. Eine kostenlose Quelle von indigenem Saatgut sind Brachflächen, die schon von weitem durch ihren Blütenreichtum auffallen und meistens nicht unter Naturschutz stehen. Selbstverständlich sollte nur so viel entnommen werden, wie es den Bestand in keiner Weise beeinträchtigt, es sei denn er soll wie so oft durch Bebauung vernichtet werden.

Landkärtchen Herbstfärbung Im sogenannten Vertragsnaturschutz hat sich das Anlegen von Ackerrandstreifen als sehr erfolgreich erwiesen und dieses Prinzip kann man auch in jedem Hausgarten anwenden. Im Kleinen sind Beete ja mit Äckern zu vergleichen, und an deren Rändern läßt man einfach stehen, was erwünscht und zu fördern ist. Dabei hat man gleich einen doppelten Nutzen: Durch die vermehrt auftretenden Nützlinge werden die Schädlinge in den angrenzenden Gemüse- und Blumenbeeten reguliert. Desweitern oft bereits Biene auf Witwenblume vorhanden sind alte Gehwegplatten, deren Fugen wunderbar von wuchsschwachen, aber trockenresistenten Wildblumen besiedelt werden. Mit der Zeit löst sich aus Mörtel und Beton Kalk, was besonders in Sandgebieten eine Bereicherung der eher artenarmen Bodenbedingungen darstellt.

Da alle Pflanzen am Anfang der Nahrungskette stehen und Habitatsstrukturen bilden, wirkt sich deren Vielfalt natürlich unmittelbar auf die der Tiere im Garten aus. Man kann also selbst viel im Kleinen und auch schrittweise tun. Am Besten ist natürlich, wenn Inseln der Vielfalt in der Form von privaten und öffentlichen Grüns ein übergreifendes Netz des Lebens bilden. Wir brauchen nur zu beginnen, denn pflegeleichter Blütenreichtum steckt an.